Wie werden meine Fotos scharf – Best Practice

Es gibt viele Faktoren damit Deine Fotos scharf werden und das meiste kannst Du Dir während der Fotografie antrainieren. Nachfolgend liste ich einige Tipps und Tricks auf, wie Du Deine Fotos richtig scharf ablichten kannst.

Notre Dame, Paris (France)

Autofokus

Kleinen, flexiblen Punkt um z.B. im Zoo die Augen einer Wildkatze zu treffen. Der gewünschten Bildkomposition entsprechend kann man durch den flexiblen Spot den Punkt auch in der Nähe eines Randbereichs des Suchers/Monitors setzen. Dabei muss man die Kamera nicht mehr zwischen dem  Fokussieren und dem Ausrichten des Bildausschnitts verschwenkt werden. Bei diesem Verschwenken kann sich vor allem bei Offenblende die Schärfeebene nicht mehr auf dem Motiv befinden. Millimeter können dabei schon zu viel sein. Also, lege Dir im Vorherein den flexiblen Spot gemäß Deines Bildausschnitts fest.

Augen-Autofokus

Vor allem an den neuen SONY-Kameras funktioniert der Augen-Autofokus schon fantastisch. SONY hat sogar versprochen, diese Funktion bei weiteren Firmware-Updates und neueren Kamera-Modellen zu verbessern und auszuweiten. Es ist von dem Einsatz künstlicher Intelligenz die Rede. Passen einige Maßen die Lichtverhältnisse, so kann diese Funktion sicher genutzt werden. Sie erkennt gut Augen und fokussiert oftmals auf das der Kamera am nächsten gelegene Auge. Es ist in der Tat  ein sehr brauchbares Feature, da der Fotograf sich dann auf alle weiteren Punkte beim Fotografieren oder Interagieren mit dem Model konzentrieren kann.

Katze

Manueller Fokus / Focus-Peaking (Kantenabhebung)

Starre Motive können am besten mit dem manuellen Modus fotografiert werden. Das Focus-Peaking zeigt im Sucher/auf dem Monitor exakt an, wo sich die Schärfeebene befindet. Das wird mit einem bunten Korn dargestellt.

Bewegung  statt Fokussier-Ring verwenden

Vor allem bei Offenblende ist die Fokussierung nicht ganz einfach per Fokussierring durchzuführen. Daher empfehle ich auch sich selbst ganz leicht mit der Kamera vor und zurück zu bewegen, nachdem man eine fast treffende Fokussierung per Fokussierring gewählt hat. Diese Technik ist einfach und sehr gängig in der Makro-Fotografie.

Fokus-Stacking

Diese Technik hat seinen Ursprung in der Makro-Fotografie. Dabei soll erreicht werden, dass man in einem aus mehreren Fotos zusammengesetztes Bild mehrere Schärfeebenen hat. Ziel ist es, dass das Motiv durchgängig scharf ist.

Es eignet sich in diesem Fall eine Makro-Schiene zu verwenden, der zwischen Kamera und Stativ montiert wird. Damit kann die Distanz zwischen Kamera (Abbildungsebene) und dem Motiv Millimeter für Millimeter vergrößern und verkleinern werden. Dabei sollte dann jeweils ein Foto bei gleichbleibender Einstellung geschossen werden. In einem Programm werden dann alle Fotos hineingeladen. Das Programm verrechnet die Bilder dann zu einem einzigen, scharfen Foto.

Bild-Stabilisator an/aus

Bild-Stabilisatoren sollten immer eingeschaltet werden, wenn die Fotos aus der Hand geschossen werden. Liegt die Kamera auf einem festen Untergrund, so muss man unbedingt die Bild-Stabilisatoren deaktivieren. Ein Bild-Stabilisator kann inzwischen in der Kamera, aber auch im Objektiv vorhanden sein. Deswegen empfehle ich immer die Firmware aktuell zu halten, in der Kamera, sowie für jedes einzelne Objektiv, sofern es möglich ist.

Bei einigen Objektiv-Herstellern, u.a. bei Tamron, kann der Fokus über ein spezielles Interface nachjustiert werden.

Stativ

Sobald die Belichtungszeit keine Freihand-Knippserei zulässt, dann sollte in jedem Fall zu einem Stativ oder einer anderen fixen Befestigung oder Unterlage zurückgegriffen werden. Bei einem Stativ zählen zwei wesentliche Eigenschaften. Zu einem soll ein Stativ möglichst schwingungsarm sein um Windstöße oder andere Schwingungen absorbieren zu können. Die erste Wahl wäre ein Holzstativ (z.B. von Berlebach), was wiederum nicht so viel Komfort bietet. Dann wäre ein Carbon-Stativ eine wahre Alternative, allerdings ist Carbon nicht besonders schwer, was wiederum dazu führen könnte, dass das Stativ mitsamt Kamera vom Wind erfasst wird.

Sollte tatsächlich ein strammes Lüftchen um die Ohren wehen, dann sollte das Stativ in jedem Fall beschwert werden. Oftmals befindet sich unterhalb der Mittelsäule ein Haken, an dem ich dann meinen Foto-Rucksack anhänge. An meinem Lion Rock 25 habe ich eine Stativtasche, in der ich zusätzliches Gewicht hineinlegen kann.

Außerdem ist der Stand des Stativs enorm wichtig. Viele Stative, u.a. das Rollei Compakt Traveller No. 1, haben Spikes und diese können sich im Gebirge oder an sandigen Untergründen perfekt verankert werden. Am Meer, z.B. direkt an der Brandung, besteht die Gefahr, dass Dein Stativ von dem feuchten Sand umspült wird. Dabei hilft eine größere Unterlage z.B. ein großes Brett, damit Dein Stativ statthaft bleibt und nicht im Schlick verschwindet.

Weitere Alternativen zum Stativ

Nicht nur per Stativ lässt sich eine Kamera solide platzieren, es gibt durchaus auch weitere Varianten. Die günstigsten Alternativen sind in jedem Fall die Objekte am Ort. In den meisten Fällen steht etwas herum, z.B. ein Stromverteilerkasten, ein Sims, Mülltonnen, Fahrräder, etc. die man für Aufnahmen nutzen kann.

Sehr oft habe ich meine Micro-Klammer von Manfrotto verwendet. Sie ist sehr robust und die Befestigung an einem Brückengeländer oder einer anderen kleineren Stange ist damit erledigt. Auch gibt es die Möglichkeit den Gecko zu verwenden, der sich an einer planen Oberfläche ansagt.

Aus der Hand

Wenn Fotos aus der Hand geschossen werden, dann sollte zum einen der Bildstabilisator eingeschaltet werden und so gut es geht die Belichtungszeit so gering wie möglich zu halten. Ich persönlich habe eine sehr ruhige Hand und kann sogar Verschlusszeiten bis 1/10 verantworten. Aber jeder ist anders und Du musst selbst wissen, wie lange Du die Kamera ruhig halten kannst. Um bei schlechten Lichtverhältnisse dennoch ein geeignetes Foto zu erstellen, musst Du dann ggf. die Blende weiter öffnen (niedrige Blendenzahl) und den ISO-Wert erhöhen.

Die sicherste Haltung der Kamera ist, wenn die linke Hand unter dem Objektiv greift und er Ellenbogen an Deinem Bauch angewinkelt wird. Die rechte Hand greift den Kamera-Griff, mit dem Zeigefinger drückst Du auf dem Auslöser. Dann schaust Du durch den Sucher und dadurch hast Du die Kamera ebenfalls fixiert. Somit ist die Fixierung der Kamera an drei Punkten gegeben.

Für das Erstellen eines Fotos via Display nutze ich eine andere Haltung (siehe Foto). Ich umrahme mit meinen Händen die Kamera und drücke dann per Daumen aus. 

Ist die Kamera egal? Definitiv Nein!

Es gilt: Je feiner die Pixel der Kamera, desto detailreicher kann ein Foto abgelichtet werden.

Brennweiten

Eine große Rolle nimmt die Brennweite ein. Im Telebereich nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass Du entweder verwackelst oder z.B. bei Astroaufnahmen zu lange belichtest (Bewegungsunschärfe). Bei den ultraweitwinkligen Objektiven tritt häufig Beugungsunschärfe auf, d.h. die Schärfe nimmt zu den Bildrändern immer mehr ab. Je nach Qualität der Linsen kann es Mal mehr/Mal weniger ausgeprägt sein.

Also merke:

  • Je mehr Brennweite, desto größer die Gefahr auf Unschärfe
  • Für Sterne wählt man eher ein Weitwinkel
    • Höhere Belichtungszeiten möglich

Nachführungen bei Astro-Fotos

Sterne, Mond und Galaxien müssen oftmals per längerer Belichtungszeiten fotografiert werden. Allerdings stößt man schnell auf eine Belichtungsdauer, bei der z.B. Sterne ungewünscht als Striche vorkommen. Dieses passiert durch die Erdrotation und es besteht eine Möglichkeit, diese technisch auszuhebeln. Monturen bzw. Startracker sind spezielle Stativköpfe, die sich mit der Bewegung der Erdrotation bewegen. So bleibt auch die Milchstraße dort im Bild optisch an Ort und Stelle stehen.

Um einige Monturen zu nennen: iOptron SkyTracker, Skywatcher Star Adventurer, Vixen Polarie Star Tracker, etc.

Vermeiden von hohem ISO-Rauschen

Ein verrauschtes Bild muss nicht unbedingt unscharf sein. Unscharf wird es erst, sobald in der Nachbearbeitung das Rauschen radikal maskiert wird. Dann wird das Bild eher sehr weich und matschig als scharf. Deswegen sollte z.B. in Adobe Lightroom davon abgesehen werden, dass der Wert der Rauschunterdrückung über 20 steigt.

Entsättigen

Wenn zu viele Farbnuancen in Deinem Bild vorhanden sind, dann kann es recht wild und nicht ganz scharf herüberkommen. Oftmals sehen dann zu bunte Fotos wie ein Perserteppich aus. Manchmal macht es auch Sinn diese Fotos in Schwarzweiß zu konvertieren, damit sie noch kontrastreicher dem Betrachter erscheinen. Kleine, eher unwichtige Details, rücken dadurch nicht so stark in den Fokus. Der Blick ist frei für das Wesentliche.

Kontraste

Indirekt verleihen Kontraste auch Schärfe im Bild. Ein Kontrast ist immer ein Verhältnis zwischen zwei verschiedenen Eigenschaften. Es gibt u.a. Farbkontraste, Formkontraste, Helligkeitskontraste, Mengenkontraste, Größenkontraste, u.v.m. Sofern man die meisten dieser Kontraste kennt, desto einfacher fällt es Dir nach Kontraste Ausschau zu halten, um ein Foto noch kontrastreicher gestalten zu können.

Vor allem ist dieses eine sehr gute Trainingseinheit. Du kannst Deinem fotografischen Blick optimieren, in dem Du gezielt nach Kontrasten suchst. Fang doch einfach klein an und finde für Schwarzweißfotos Motive mit hohen Farb- und Helligkeitskontrasten. Beispiel: Kühe mit schwarz-weißen Flecken auf der Alm oder gestreifte Pferde die auf den Namen Zebra hören.

Zebra

Kontinuierlicher Autofokus bei dynamischen Motiven (Mitschwenker)

Motive, die sich bewegen, aber trotzdem bei einer längeren Belichtungszeit scharf fotografiert werden sollen, sind mit etwas Übung mit den sogenannten Mitschwenker durchführbar. D.h. während der Aufnahme wird die Kamera per Hand oder per Stativ synchron mit der Bewegung des Motives mitgeschwenkt. Dazu sollte der Nachführ-Fokusmodus eingeschaltet werden. Außerdem, vermehrt ist es bei den größeren Teleobjektiven wie beim guten Sigma 150-600mm Contemporary der Fall, gibt es eine zusätzliche Nachführ-Stabilisierung (Modes). Teste auch diese Funktion.

Adler im Flug

Nachbearbeitung Und noch eine weitere, ordentliche Portion Schärfe kann per Bildbearbeitung z.B. in Adobe Photoshop erzielt werden. Da gibt es sehr viele Möglichkeiten, die ich selbst schon angewendet habe. Ich sehe es als ergänzendes Thema, ein Thema dieses diesen Blogartikels sprengen würde.

Werbung (Hinweis): Dieser Artikel beinhaltet Markennennungen, Affiliate-Links und beschreibt konkrete Produkte. Der Inhalt basiert auf praktischen Einsatz von mir, Meinungsbildung meinerseits, eigene Einschätzungen und Erfahrungen zum beschriebenen Produkt ohne jeglichen Einflussnahme (Inhaltsvorgaben, Gagen, etc.) der Hersteller.

Erstelt am 27. Mai 2019 von chriz



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