Change my Life – Eintausendundmehr

Klub der anonymen Phlegmatiker. „Ich heiße Chriz, und ich bin bewegungsfaul.“ „Hallo Chriz.“

Ich war in meinem Leben niemals richtig sportlich. Klar, als Jugendlicher war ich im Badminton-und Tennisverein und habe da auch einige Bälle über das Netz gehauen. Dann fuhr man so seine Wege mit dem Rad, weil man ja noch kein Auto hatte. Als Erwachsener war endgültig Schluss. „No sports“, Churchill war der Held.

Warum steht da oben Eintausendundmehr? Deshalb:

Ich habe etwas geändert.

Vor 2 Jahren habe ich mir ein neues Trekingrad gekauft, mich darauf gesetzt und bin eine Runde von 9 Km durch den Wald und an der Lippe entlang gefahren. Einen Monat lang bin ich diese Runden gefahren und wurde langsam konditionell besser. Nach diesem Monat habe ich dann eine Runde von 25 Km riskiert und habe mich dabei überfordert. Schwindelig, mundtrocken, schlapp. Ein Rückschlag. 2010 baute ich immer wieder an den Streckenlängen an. Zum Ende des Jahres waren 80Km das absolute Maximum und war voller Euphorie die Runde Lünen-Datteln-Haltern am See-Datteln-Lünen geschafft zu haben.

Als absolutes Nonplusultra erreichte ich letztes Jahr mit einer Tagestour von Lünen nach Minden von insgesamt 151Km. Es folgte das Abfahren des Ruhrtalradwegs, 230 Km in 2 Tagen, und der herrliche Sauerlandring von 84 Km.

Um die Geschichte abzukürzen: heute fahre ich 80-100 Km auf einer Arschbacke locker ab. Das strengt mich an, aber es überfordert mich nicht. Ich bin viel stärker als vor 2 Jahren, und alles ist besser. Und dennoch bin ich immer noch im Klub der anonymen Phlegmatiker. Der Weg ist noch weit. Vor zwei Monaten habe ich gedacht, ich schaffe vielleicht 1500 Km dieses Jahr. Nun bin ich in einem Monat 400 gefahren. Deshalb wage ich jetzt keine Prognosen mehr. 😉

Das ich mit dem Radfahren angefangen habe, bereue ich keines Wegs. Fazinierend finde ich die Ruhe auf einsamen Feld-und Waldwegen jenseits des Straßenverkehrs und der gesamten Hektik. Man nimmt auf den Touren die Natur besser wahr und sieht, dass es auch in NRW zahlreiche Oasen zur Erholung gibt. Alltagsärger und Frust bleiben auf der Strecke, spielen nicht die Hauptrolle und fühle mich dadurch auch viel ausgeglichener.

Sehr viel Motivation bietet auch die App RunKeeper, die ich seit Sommer 2010 auf meinen Touren verwende. Damit lassen sich die gefahrenen Strecken als sogenannte Activities mitzeichnen und geben mir Übersichten zu festgelegten Trainingsplänen/Zielen.

Aufgezeichnete Strecken seit Mitte 2010

Beispiel Senne-Radweg

Ein paar Beobachtungen der letzten Monate, auf geschotterten Waldwegen, nicht auf der Straße:

  • Die schnellsten Radfahrer sind die Gewohnheitsfahrer. Sie fahren täglich alles mit dem Rad und wohnen im nächsten Ort hinter dem nächsten Buckel. Sie fahren Trecking-Rad mit Ortlieb-Tasche. Niemand schlägt den Gewohnheitsfahrer. Der hat die meisten Kilometer in den Beinen, auf das Jahr, den Monat, die Woche gerechnet.
  • Nach den Gewohnheitsfahrern kommen die Sportradler. Danach ich. Danach die Sonntagsfahrer.
  • Sonntagsfahrer haben eine Untergattung, die man leicht mit den Sportradlern verwechselt. Teure, schicke Räder, Helm auf. Sie sind aber leicht zu identifizieren. Sportradler treten gleichmässig in die Pedale, Sonntagsfahrer halten nach ein paar Umdrehungen inne, um sich auszuruhen, bevor sie weitertreten. Sportfahrer trifft man alleine oder in kleinen Gruppen von Männern an. Sie tragen meistens Rucksack. Frauen sind selten.
  • Sonntagsfahrer sind oft Pärchen, bei den reichen Sonntagsfahrern trifft man mehr Frauen an. Die fahren meistens hinter den Männern, gucken entweder sauer, oder haben den Plappermotor eingeschaltet.
  • In ländlichen Gegenden, ja auch in NRW, sind die Radfahrer freundlicher und grüßen ununterbrochen.
  • E-Bikes haben zwei Käuferschichten: ältere Herrschaften und Fashionistas. Bei den älteren Herrschaften bügelt der Motor die Steigungen weg und so kommen sie auch mal wieder in den Wald. Fashionistas hatten schon ein Fixie und ein Hollandrad und fanden dann beide doch zu mühsam. Da man Muckis nicht kaufen kann, probieren sie jetzt mal den Hilfsmotor. Fahrer von E-Bikes werden von Sportradlern als unterste Kaste wahrgenommen. Gewohnheitsradler aber denken über einen Kauf nach.
  • Bei E-Bikes kann man den Hilfsantrieb abschalten. Das trifft man in etwa so häufig an wie bei Mofas. Sprich: wenn der Tank leer ist. Fahrer von E-Bikes mit leerem Akku sind ein jämmerlicher Anblick.

Und die anderen Verkehrsteilnehmer:

  • Wo keine Autos anzutreffen sind, sind Hunde niemals angeleint.
  • Hunde laufen lieber am Wegesrand als in der Mitte. Anscheinend gibt es da mehr zu riechen. Einen drohenden Seitenwechsel erkennt man schnell, weil Hunde nicht „in der Spur“ laufen. Wenn die Hinterläufe auf die andere Seite der Vorderläufe wechseln, kann man schon mal zur Bremse greifen.
  • Hunde laufen gerne „mit“. Ein Setter ist schon mal vier Kilometer mitgetrabt. Das rufende „Herrchen“ kam da nicht mit. Ich habe da wenig Mitleid, siehe oben Hundeleine.
  • Kinder laufen niemals geradeaus. Sie kurven immer in die Richtung, in die sie den Kopf drehen. Bei kleinen, frei herumlaufenden Kindern sofort bremsen. Ein angreifendes Muttertier ist tödlich.
  • Nordic-Walker (Krötenschaschlikhersteller) nehmen immer die gesamte Breite des Weges ein. Ganz böse Blicke sind nach Beträtigung einer Fahrradklingel zu beobachten.
  • Habe fast ausschließlich positive Erfahrungen mit Autofahrern gemacht. Ausnahme: Liefer- und Handwerkerbusse. Die Fahrer glauben anscheinend, Hoheitsrechte zu genießen. Das gleiche gilt auch für Muttipanzer. Denen kann man aber leichter ausweichen.
  • Niemand, absolut niemand mag Radfahrer. Nicht mal die anderen Radfahrer. Deshalb ist es immer gut, Danke zu sagen, wenn jemand mal an den Rand des Weges tritt. Wenn man täglich ähnliche Wege fährt, trifft man auch immer wieder die gleichen Leute. Und mit jeder freundlichen Begegnung wird das Zusammenleben einfacher.
  • Noch bin ich die meiste Zeit in Zivil unterwegs. Von da aus gibt es nur zwei Pfade: Sportfahrer mit Helm und Bikedress. Oder Fahionista. Sonntagsfahrer bin ich nicht mehr. Und Gewohnheitsradler werde ich nicht.

 

Grade jetzt mit den Fahrradtouren im Grünen abseits des Straßenverkehrs, denke ich auch etwas naturbewusster als vor 4-5 Jahren. Das ich damit angefangen habe, bereue ich keines Wegs.

Erstelt am 1. Juli 2012 von chriz



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