Tutorial Tierfotografie – Zoo, Wildlife, Haustier | #chrizschwarz

Tutorial Tierfotografie – Zoo, Wildlife, Haustier

Tierfotografie Haustier Katze

Tierfotografie

Ein eigenes Gebiet in der Fotografie für sich ist die Tierfotografie. Stetig versucht man mit einem langen Tele-Objektiv schnelle Bewegungen der Tiere einzufangen. Das funktioniert manchmal, oftmals vielleicht dann wieder doch nicht.

Im letzten und auch schon in diesem Jahr war ich oft in Tierparks und Zoos unterwegs gewesen. Ebenfalls habe ich auch an Tierfotograf-Workshops u.a. von Pavel Kaplun und Miho Birimisha vom Kreativstudio Pavel Kaplun teilgenommen und habe die für mich wichtigsten Punkte zusammengetragen, was mir an Tipps & Tricks bei der Tierfotografie in der Praxis hilft und unterstützt.

Tierfotografie – Was brauchst Du für gute Tierfotos?

Eine Kamera (z.B. CANON EOS 80D), ein gutes Teleobjektiv, ggf. einen Ersatz-Akku und Speicherkarte. Das sind die Mindestvoraussetzungen. Viel mehr Equipment solltet Ihr aber auf keinen Fall mitschleppen, denn mit Last macht ein Fotografieren im Zoo einfach kein Spaß mehr. Nun gehen wir in die Tiefe.

Kamera und Objektiv

Du kennst sicherlich den Spruch „Die beste Kamera ist die, die man hat“. Ich kann diesen Spruch echt nicht mehr hören, denn z.B. mit einer Smartphone-Kamera oder einer ultraweitwinkligen GoPro Hero macht ein Zoo-Besuch absolut keinen Sinn und ist demnach total Blödsinn.

Idealer Weise solltest Du eine Kamera verwenden, an dem Du ein Tele-Objektiv verwenden kannst. Ein Tele-Objektiv bis 300mm ist in Tierparks und Zoos schon die minimalste Mindestvoraussetzung. In Zoos mit einem sehr weitläufigen Gehege u.a. die ZOOM Erlebniswelt in Gelsenkirchen oder der Serengeti-Park in Niedersachsen sind die 300mm fast nicht mehr zu gebrauchen. Deswegen habe ich für meine Canon EOS 70D nun aufgerüstet und bin seitdem mit dem hochwertigen Sigma 150-600mm Contemporary sehr gut aufgestellt.

Je höher der Crop-Faktor des Bildsensors, desto kleiner ist Dein Bildausschnitt. Dieses physikalische Gesetz mache ich mir auch zu Nutze mit meiner alten Canon EOS 70D, die einen Cropfaktor von 1,6x hat. Über den Crop-Faktor habe ich auch ausführlich in dem Beitrag Sigma 150-600mm Contemporary erörtert. Besser bzgl. des kleineren Bildausschnitts und der Kompaktheit wäre eine Kamera mit MFT-Sensor (Micro Four-Thirds) von z.B. Panasonic oder Olympus, die einen Crop-Faktor von 2,0x haben. Allerdings tritt bei höheren ISO-Werten schneller Bildrauschen auf. Deswegen gehe ich den Mittelweg und bevorzuge mit meiner Canon EOS 70D den APS-C-Sensor und lasse meine Vollformat-Kamera direkt Zuhause.

Kamerazubehör

Hierzu gibt es tatsächlich ein Motto, nämlich „weniger ist mehr“. Ich möchte damit sagen, dass Du Dich bei einem Besuch im Tierpark oder Zoo frei bewegen kannst und der Spaziergang von Gehege zu Gehege sollte Spaß machen. Es macht keinen Spaß eine schwere Kameratasche mit Dir mitzuschleppen, denn allein das Super-Teleobjektiv wiegt schon eine Menge.

Nur das Sigma Contemporary wiegt allein schon 1,9Kg. Deswegen schraube ich an das Kameragewinde einen bequemeren Gurt, z.B. den Sunsniper Rotaball One oder Sunsniper Rotaball Pro und kann mich so besser und entspannter bewegen.

Eine schnelle, große Speicherkarte ggf. auch eine Zweite als Ersatz und einen Ersatz-AKKU solltest Du dabei haben. Mehr benötigst Du nicht, wenn es draußen hell genug ist.

Ist der Tag Deines Besuchs im Tierpark bzw. Zoo zu dunkel und Du benötigst deswegen an Deiner Kamera eine höhere Verschlusszeit, dann solltest Du zur Stabilisierung ein Einbeinstativ (Monopod) mitnehmen. Für diesen Zweck baue ich mein Reisestativ, ein Rollei Traveller No. 1, um. Evtl. für größere Leute ist die Arbeitshöhe schon zu niedrig. Ich komme selbst damit ganz gut zurecht.

Ausnahme Aquaristik-Fotografie

In diesem Fall schwimmen die Fische gleich hinter dem Glas ihre Kreise. Möchtest Du auch da fotografieren, bist Du gezwungen doch noch ein zweites Objektiv mitzunehmen. Dafür eignet sich eher ein Objektiv mit einer geringeren Brennweite z.B. 16-35mm. Wenn DU die Wahl hast, dann nehme das Objektiv mit, dass die kürzeste Mindestfokussierung hat. Diese Angabe ist oft auf dem Objektiv vermerkt oder/und taucht als geringster Wert in der Fokussierskala auf. Bei den Sony-Kameras kann zusätzlich die Mindestfokussierung im Manuellen Modus per Sucher oder Display ermittelt werden.

Die passende Kleidung

Oft wird es vorkommen, dass Du hinter einer Glasscheibe fotografieren musst. Einer der größten Eigenschaften von Glas ist es, dass es die Umgebung spiegelt. Das passiert auch bei heller Kleidung. Helle Kleidung spielt sich stark im Glas und landet dann meistens auch unerwünscht als Reflektionen auf dem Foto. Deswegen solltest Du sehr dunkle Kleidung tragen.

Plane den Zoo-Besuch

Welcher Zoo passt zu Deinen Zielfotos?

Du solltest Dir zunächst eine gröbere Auswahl erstellen, welchen Zoo Du mobil erreichen kannst und auch erreichen willst. Jeder Zoo hat seine Highlights wie z.B. das Hippodom im Kölner Zoo, die tolle Pinguin-Anlage im Wuppertaler Zoo, der kleine Eisbär Nanook in der Zoom Erlebniswelt, die Koalazucht im Duisburger Zoo, usw.

Einige Zoos versuchen auch sich an einem bestimmten Kontinent zu orientieren. Im Dortmunder Zoo ist es eher Südamerika, in der Zoom Erlebniswelt in Gelsenkirchen u.a. Asien,  Afrika findet man in der Steppenlandschaft des Serengeti -Parks und heimische Tierarten bekommt man eher in Wildparks z.B. im Wildpark Frankenhof zu Gesicht.

Neben dem Serengeti-Park gibt es auch weitere Vertreter wie z.B. der Safaripark Schloss Holte-Stukenbrock, die ich zu den Erlebniszoos einsortiere. Z.B. gibt es dort befahrbare, weitläufige Gehege, indem man den Tieren noch ein wenig näher kommen könnte. Trotzdem sollte man Fenster, Türen und Schiebedächer lieber bei den Löwen geschlossen halten. Bei den Lamas besser auch, die spucken gerne ziemlich weit und genau. 😉 Wie man am besten durch Glasscheiben fotografierst, dass erfährst Du weiter unten im Abschnitt „Gitter und Glas“.

Der Allwetterzoo in Münster ist auch dafür bekannt, wie der Titel des Zoos es ja schon verrät, für jedes Wetter geeignet. Ein spezieller Rundgang durch die angrenzenden Tierhäuser kann somit auch bequem im Regen unternommen werden.

Dann gibt es noch die Zoos/Tierparks, die sich bestimmten Tier-Gruppen verschrieben haben. Z.B. der Weltvogelpark in Walsrode, der Vogelpark in Marlow, Aquazoo Düsseldorf, Sea Life in Oberhausen und Terrazoo in Rheinsberg.

Lohnt sich der Zoo-Besuch?

Ob sich der Zoo-Besuch lohnt, dass sollte einer der Hauptfragen sein. Es gibt viele Faktoren, die den Zoo-Besuch doch eher zum Reinfall ausgehen lassen kann.

Die besten Erfahrungen machte ich direkt morgens direkt bei der Öffnung des Zoos. Dann ist der Zoo noch relativ wenig besucht und im Sommer ist es dann noch nicht zu heiß. Bedenke, dass die Tiere auch oft Hitze nicht mögen und deshalb mitten in der Mittagszeit sie sich im Schatten verstecken um Mittagsschlaf zu halten. Ihr könnt dann die Mittagszeit auch überbrücken, indem Ihr z.B. die Tropenhäuser, Aquarien oder das Zoo-Restaurant besucht. Dort ist der Besuch eher unabhängig von der Tageszeit.

Ich persönlich meide den Zoo-Besuch, wenn in dem Bundesland Schulferien sind. An regenlosen Tagen ist der Zoo dann proppenvoll mit Familien. Es wird eher enger an den kleineren Gehegen und auch der Lärmpegel im Zoo steigt, so dass einige Tiere sich auch schreckhaft, unnatürlich zeigen.

Baustellen bzw. größere Umbaumaßnahmen im Zoo, dass musste ich leider in diesem Jahr zuletzt im Dortmunder Zoo erfahren, machen den Zoo-Besuch auch nicht zu einem großen Spaß. Wegen Umbaumaßnahmen waren sehr viele Gehege leer und die Tiere irgendwo dahinter in Notgehegen untergebracht. Das war echt schade um den Eintritt, der trotz der eingeschränkten Leistung für die Besucher zum Normalpreis angeboten wurden. Deswegen mein Tipp: Recherchiert vorab auf der Internetseite des Zoos oder frag Mal Google nach Presseartikel aus der lokalen Presse, ob Ihr irgendwelche Hinweise zu Umbaumaßnahmen (auch in der Saison möglich) findet.

Kameraeinstellungen

Im Außenbereich stelle ich die Kamera auf Blendenpriorität (Av bzw. A), d.h. ich gebe die Blende vor und die Kamera errechnet mir eine optimale Verschlusszeit. Sehr oft lasse ich die Blende auch offen (einen sehr niedrigen Wert), so dass man optimal Tierportraits mit einer sehr geringen Schärfentiefe fotografieren kann. Das sieht dann oft sehr edel aus z.B. bei einem Löwenkopf mit scharfen Augen und ein Unschärfeverlauf in der Mähne. Mit dem Teleobjektiv erreicht man sogar, dass im Hintergrund der Zaun oder Baum in einem Bokeh abgebildet wird.

Eher selten gibt es, aber es kommt auch vor, auch im Zoo sich sehr schnell bewegende Tiere u.a. fliegendes Gefieder oder rasende Katzen. Dafür ist die Zeitpriorität (Tv oder S) perfekt. Dabei müsst Ihr mindestens eine Verschlusszeit von 1/2.000 Sek. vorgeben. Wenn es noch schneller mit der Belichtung geht, dann bitte gerne dieses auch machen. 😉

Grundsätzlich überlasse ich die ISO-Einstellung der Kamera. Da bei meiner CANON EOS 70D ziemlich schnell ISO-Rauschen feststellbar ist, begrenze ich den AUTO-ISO-Bereich von 100-800.

Als Fokusmethode wähle ich, ich nenne es „Safari-Modus“, die Spot-Fokussierung. So kann ich ganz genau das kleine Fokuskästchen ganz exakt auf das Auge des Tiers legen und „abschießen“. Ihr solltet immer auf das zur Kamera am nächsten gelegene Auge des Tiers fokussieren.

Oftmals werden die Fotos sehr hell. Ich lenke dagegen indem ich die Belichtungskorrektur (EV) auf -0,3 oder -0,5 drehe. Damit erreiche ich die optimalsten Ergebnisse. Denn in der Bildbearbeitung ist es immer günstiger ein etwas dunkleres Bild aufzuhellen als anders herum.

Ich fotografiere in RAW und entwickle die Fotos in Adobe Lightroom Classic. In richtigen Extremfällen sowie bei Lust und Laune z.B. bei Retusche oder Composing-Ideen, nutze ich Adobe Photoshop. Aber Letzteres ist nicht wirklich Pflicht. 😉

Gitter und Glas

Meiner Meinung folgt nun der beste Trick bei der Zoo-Fotografie. Ihr könnt Euer Hindernis, sei es Glas oder feiner Maschendrahtzaun, beinahe vollständig in Euren Fotos ausschalten. Nehmt bzw. stellt die größte Brennweite ein und stellt den möglichst niedlichsten Blendenwert (Offenblende) ein. Dann dockt Ihr die Linse (besser ohne Streulichtblende) direkt vorsichtig an das Glas an und versucht das Objektiv bündig mit dem Glas zu umschließen. Bspw. bei Lemuren könnt Ihr auch besser in die Hocke gehen, da sie sich oft in unserer Hüfthöhe bewegen. Bei Gitter und Zaun geht Ihr genauso vor, wenn Tier und Lage es zulässt. Es funktioniert aber auch recht gut, wenn der Maschendraht 0,5-1m entfernt ist. Fotografiert einfach durch eine Lücke des Gitters oder des Zauns. Oftmals hat man eine milchige Vignette im Foto, aber wenn das Auge oder der ganze Kopf des Tiers durch so eine Lücke fotografiert wird, stört diese Vignettierung eher weniger.

Bildnutzung – Darf ich/darf ich das nicht?

Für private Zwecke gibt es meistens keine rechtlichen Einschränkungen. Die Verwendung der Fotos für gewerbliche bzw. kommerzielle Zwecke ist zunächst oftmals nicht erlaubt und bedarf einer schriftlichen Genehmigung des Parkbetreibers. Dieses ist immer in der AGB des Parks einzusehen. Deswegen ist dieser Beitrag sehr textlastig und habe auf die Veröffentlichung der Fotos aus den Zoos abgesehen.

Werbung (Hinweis): Dieser Artikel beihaltet externe Links zu Parkbetreibern, Affiliate-Links zu Amazon und beschreibt konkrete Produkte. Der Inhalt basiert auf praktischen Einsatz von mir, Meinungsbildung meinerseits, eigene Einschätzungen und Erfahrungen zum beschriebenen Produkt ohne jeglichen Einflussnahme (Inhaltsvorgaben, Gagen, etc.) des Herstellers.

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